Die Automobilbranche – neue Möglichkeiten am deutschen Markt

Ständig entwickeln sich in der Automobilbranche neue Jobs. Hier finden Sie einen Überblick über aktuelle Berufe, über Trends der Zukunft und relevante Studiengänge.

11.06.2018

Neue Jobs in der Autoindustrie

1. Neue Jobs in der Autoindustrie – Ein Überblick

Laut einer Studie des Center of Automotive Management stammen fast 40 Prozent der Innovationen in der Automobilbranche aus deutschen Konzernen. Die Autoindustrie befindet sich zurzeit stark im Wandel. Viele neue Technologien sorgen für starken Wettbewerb zwischen Konzernen. Vor allem die Digitalisierung sorgt für Druck, da durch sie immer schneller Innovationen auf den Markt kommen. Auch der Trend der selbst fahrenden Autos ändert den Jobmarkt. In der amerikanischen Stadt Pittsburgh gibt es bereits seit 2016 Uber-Autos (private Taxis), die selbstständig fahren können.

Elektroautos bringen ebenfalls neue Herausforderungen und somit neue Jobs mit sich. Gewissen Prognosen zufolge wird der Elektromotor früher oder später den Verbrennungsmotor ersetzen. Auch auf vielen anderen Gebieten entwickeln sich laufend Innovationen und neue Berufe. Besonders stark im Wachstum sind neue Konzepte wie zum Beispiel Ride Sharing oder Connectivity.

Wichtige Bereiche und Branchen, die in der Zukunft vermutlich stark an Bedeutung gewinnen werden, sind:

  • Autonomes Fahren
  • Shared Mobility (beispielsweise Dienste wie Uber)
  • Elektronische Fahrzeuge (hier werden E-Mechaniker gesucht)
  • Automatisierung (für Automatisierungstechniker) und Connectivity (z. B. das Verbinden des Autos mit dem eigenen Smartphone)

2. Vor allem Fachpersonal für Elektroautos wird gesucht

Am 1. Januar 2018 gab es 53.861 Elektroautos in Deutschland. 2017 waren es hingegen erst knapp 34.000. Die Zahl der Elektroautos wird auch weiterhin stark ansteigen. Aktuell sind in Deutschland mehr als 70 Elektro- und Hybridautos auf dem Markt. Für E-Autos fehlt es allerdings noch immer an der passenden Infrastruktur und auch an Fachpersonal.

Der Elektromotor in E-Autos benötigt eine Spannung von 350 bis 400 Volt. Dadurch birgt das Arbeiten mit E-Autos ein gewisses Risiko, da Spannungen über 42 Volt lebensgefährlich sein können. Deswegen dürfen nur Kfz-Mechatroniker Elektroautos reparieren, die speziell dafür eine Ausbildung oder spezielle Schulung absolviert haben.

Seit vier Jahren können Auszubildende in Deutschland den Schwerpunkt "System- und Hochvolttechnik" wählen. Damit erhalten sie die Erlaubnis, mit Elektroautos zu arbeiten. Für diese Ausbildung entscheiden sich allerdings nur 5 Prozent, obwohl die Nachfrage immer weiter steigt. Zum Beispiel gehört der BMW i3 zu den meistverkauften E-Autos in Deutschland, weshalb das Autohaus B + K bereits eigene E-Mechaniker für diesen Verkaufszweig ausbildet.

3. Neue Jobs durch Automatisierung und autonomes Fahren

Durch die Automatisierung gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, es werden auch neue geschaffen. Die Maschinen, die die Arbeitskräfte ersetzen sollen, kommen dennoch nicht ohne Menschen aus. Ingenieure, Konstrukteure, Programmierer und Mechatroniker sind nötig, um die Geräte zu produzieren und sie dann zu warten. Außerdem steigt durch die Automatisierung der Bedarf an Automatisierungstechnikern, die neue automatisierte Anlagen entwickeln und bestehende Maschinen effizienter gestalten.

Auch das autonome Fahren verändert die Anforderungen in der Auto-Industrie. Ohne Ingenieure, Konstrukteure, Elektrotechniker, Mechatroniker und Mechaniker kommt dieser Bereich nicht voran. Es werden zudem Experten benötigt, die die entsprechende Software entwickeln, die die Autos selbstständig zum Fahren bringt. Dazu zählen Software Engineers, Experten auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) und Fachkräfte für Sensoren. Die Programme, die solche Autos steuern, werden außerdem zunehmend komplexer, weshalb auch IT-Sicherheitsexperten in der Branche gebraucht werden.

Eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey erforschte neue Geschäftsmodelle, die durch autonome Kfz generiert werden können. Da der Mensch zum Steuern des Fahrzeugs nicht mehr notwendig ist, kann er sich auf andere Dinge konzentrieren. Dadurch wird auch die Nachfrage an Unterhaltungsprogrammen im Auto steigen. Außerdem wird es dann automatisierte Wartungspakete geben, die das Auto selbstständig zum Service in die Werkstätte fahren lassen. Die Sektoren Logistik, Stadtplanung und Versicherungen müssen sich durch das autonome Fahren ebenfalls ändern – zum Vorteil der betroffenen Berufsgruppen.

4. Die wichtigsten Qualifikationen für die neuen Jobs

Heutzutage lassen sich die Grenzen zwischen Berufen in der Automobilbranche und den technischen Berufen immer schwerer bestimmen. Vor allem E-Autos und selbstfahrende Autos beinhalten viel Elektronik, für die eine Kfz-Mechaniker-Ausbildung nicht mehr reicht. Beispielsweise schreibt focus.de: „In 16 Prozent der Stellenanzeigen im Bereich E-Auto werden Entwicklungs- oder Testingenieure gesucht. Sechs Prozent der Stellenanzeigen suchen Entwickler für Software oder Applikationen. Fünf Prozent betreffen Prozess- oder Projektingenieure […] [oder] auch Wirtschaftsingenieure […].“ (Stand 20.10.2017)

Auch durch etliche Ausbildungen ist ein Jobeinstieg ohne Studium in der Automobilbranche möglich. Einige Beispiele können Sie der Übersicht entnehmen:

Servicefahrer

  • Dauer: 2 Jahre

Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen

  • Dauer: 2 Jahre

Automobilkaufmann

  • Dauer: 3 Jahre

Berufskraftfahrer

  • Dauer: 3 Jahre

Metallbauer Fachrichtung Nutzfahrzeugbau

  • Dauer: 3,5 Jahre

Kraftfahrzeugmechatroniker

  • Dauer: 3,5 Jahre

5. Passende Studiengänge in Deutschland

In Deutschland gibt es zurzeit zahlreiche Studiengänge, die sich mit verschiedenen Bereichen der Automobilbranche befassen. Der Großteil davon sind Master-Studiengänge, für die Sie zunächst einen Bachelor-Abschluss in einem relevanten Gebiet benötigen, um sich bewerben zu können. Es gibt allerdings auch einige Bachelor-Studiengänge im Automotive-Bereich (beispielsweise in Hannover, Hamburg, Köln und Stuttgart). Automotive-Studiengänge sind der Allrounder für Studierende, da hier solides Grundwissen in allen notwendigen Bereichen – wie zum Beispiel Mechanik, Elektronik und Informatik – vermittelt wird.

Es gibt allerdings auch zahlreiche spezialisierte Studiengänge wie zum Beispiel Automotive Software Engineering (einem Master-Studiengang an der TU Chemnitz und der TU München). Hier werden Elemente aus verschiedenen Disziplinen verknüpft, um den Studenten die praktische Implementierung von softwareintensiven Systemen in Kfz beizubringen. Diese Ausbildung wird in Zukunft noch gefragter sein, besonders aufgrund der steigenden Verbreitung von autonomen Fahrzeugen. Aus demselben Grund lohnt sich auch ein Master-Studium im Bereich Automotive Electronics.

In der Autoindustrie werden allerdings nicht nur Techniker gesucht. Auch Management-Personal und Informations-Manager sind gefragt. Natürlich gibt es auch hierfür passende Studiengänge. Automotive Management wird als Bachelor- oder auch als Master-Studiengang angeboten. Hier wird das nötige Branchenwissen vermittelt und die Management-Fähigkeiten der Studenten werden geschult. Der Studiengang Information Management Automotive vermittelt hingegen die nötigen Fähigkeiten, wenn es um die Datenverwaltung und um IT-Methoden in modernen Autos geht (Big Data, das vernetzte Fahrzeug, usw.).

6. Die Zukunft der Autoindustrie im Allgemeinen

Erste Zukunftstrends zeichnen sich bereits jetzt ab. Das sogenannte Ride Sharing nimmt beispielsweise immer mehr zu. Seit Oktober 2014 bietet die Plattform Uber auch in Deutschland ihre „Taxis“ an. Die Fahrer sind hierbei meist Privatpersonen und die Fahrten werden mit nur wenigen Klicks über eine Smartphone-App organisiert. Prognosen zufolge wird die Zahl der Privatautos in Zukunft immer weiter sinken. Diese werden zunehmend durch Carsharing und Mitfahr- und Taxidienste ersetzt. Aber nicht nur die Zahl der Autos sinkt, sondern auch die der Autofahrer.

52 Prozent der weltweiten Patente zum Thema autonomes Fahren stammen von deutschen Herstellern. Spitzenreiter sind die Firmen Bosch, Audi und Continental. Sogar das Bundesforschungsministerium fördert mit einem Budget von ca. 100 Millionen Euro Forschungsprojekte rund um die intelligente Mobilität. Die Hochschule Kempten im Allgäu will zudem bis zum Jahr 2019 das „modernste Zentrum für autonomes Fahren" errichten. Auch die Deutsche Bahn erprobt schon autonome Fahrzeuge. Bereits im Oktober 2017 wurde der deutschlandweit erste autonom fahrende Kleinbus im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt.

Laut derzeitigem Stand des deutschen Verkehrsrechts sind autonome Fahrzeuge nur begrenzt legal. Der Mitfahrer muss jederzeit eingreifen können und das System überwachen, um Fehler des Fahrzeugs zu korrigieren.

In Zukunft könnte sich zudem etwas an der Monopolstellung bestimmter Hersteller ändern. Laut Report von McKinsey von 2017 soll sich der Umsatz der Automobilindustrie bis zum Jahr 2030 fast verdoppeln. Vor allem die chinesische Automobilindustrie wird bis dahin um etwa 50 Prozent gewachsen sein. Dann werden chinesische Autofirmen fast ein Fünftel der Umsätze der Branche ausmachen.

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