Airbag-Systeme – Sicherheit im Falle eines Unfalls

Airbags gehören zum Sicherheitssystem vieler Fahrzeuge, sind in Deutschland aber keine Pflicht. Ein selbstständiger Ausbau von Privatpersonen ist dennoch nicht erlaubt.

18.07.2018

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Als Airbag werden die Aufprallkissen innerhalb eines Fahrzeuges bezeichnet, die während eines Unfalls ausgelöst werden, um die Insassen vor Verletzungen zu schützen. Zusammen mit dem Sicherheitsgurt bilden sie das SRS – das Supplemental Restraint System beziehungsweise das Sicherheitsrückhaltesystem.

1. Verschiedene Airbag-Arten für optimale Sicherheit

Serienmäßig sind vor allem Frontalairbags in fast allen Neuwagen verarbeitet. Doch neuere Sicherheitsstandards führen dazu, dass immer weitere Formen von Airbag-Systemen in Fahrzeugen Anwendung finden.

Frontalairbag

Die Frontalairbags befinden sich für Fahrer und Beifahrer in der Lenkradplatte und im Armaturenbrett. Im Falle eines Aufpralls werden die Luftkissen des Airbag-Systems innerhalb von 50 Millisekunden aufgeblasen. So werden Kopf und Brust der Insassen abgefangen und die Last bestmöglich verteilt. 150 Millisekunden nach dem Unfall sind die Airbags dann wieder vollständig entleert.

Seitenairbag

Da an den Seiten des Wagens im Vergleich zum Heck und zur Front wenig Material vorhanden ist, um die Kraft eines Aufpralls zu absorbieren, sind in vielen Autos auch Seitenairbags vorhanden. Diese werden auch als Thorax-Bag bezeichnet, da sie vor allem den Brustbereich, die Lungen und das Becken schützen. Insassen werden somit besser im Sitz gehalten. Seitenairbags sind in der Türverkleidung, häufiger jedoch in der Sitzlehne verarbeitet.

Weitere Airbag-Arten

Neben Frontal- und Seitenairbags werden in einigen Modellen auch weitere Airbag-Arten verbaut. Diese bewahren vor allem Kopf, Schulter, Nacken und Knie vor Schäden durch Kollisionen. Zu den zusätzlichen Airbag-Arten zählen unter anderem:

  • Der Kopfairbag zwischen der A- und C-Säule
  • Der Knieairbag unterhalb des Armaturenbretts
  • Der Gurtairbag im Sicherheitsgurt
  • Der Sitzairbag unterhalb der Sitzfläche

2. Bauteile und Funktionsweise eines Airbags

Das 1971 von Mercedes patentierte Airbag-System besteht aus verschiedenen Bauteilen. Heute gehören zu den groben Bestandteilen eines Airbags das Airbagmodul, das Airbagsteuergerät und die Crashsensoren.

Aufgabe der Crashsensoren

Beschleunigungs- oder Crashsensoren sind innerhalb des Wagens unter anderem am Steuergerät, an den Säulen oder am Vorderwagen verbaut. Um Fehlzündungen zu vermeiden sind stets zwei Beschleunigungssensoren in einem Auto vorhanden, die unabhängig voneinander Fahrzeugverzögerungen messen. Wird von beiden Sensoren ein abrupter Halt des Wagens gemessen, kommt es zur Zündung der Airbags.

Neben Beschleunigungssensoren gibt es auch Drucksensoren, die vor allem einen plötzlichen Druckanstieg an den Seitentüren erfassen. Aber auch die Kontaktschalter der Sicherheitsgurte und die Sitzbelegungssensoren dienen als Signale für eine frühzeitige Crasherkennung.

Auswertung über das Airbagsteuergerät

Dem Steuergerät kommt die Aufgabe zu, die gesendeten Signale der Crashsensoren zu verarbeiten und so den kommenden Aufprall zu berechnen. Dabei werden der Zeitpunkt der Kollision, die Geschwindigkeit und der Winkel des Aufpralls berechnet, um die zutreffenden Airbags zu einem idealen Zeitpunkt zünden können.

Das Airbagmodul

Wird eine Kollision vom Steuergerät vorausgesagt, wird der Gasgenerator gezündet, der den Nylonsack des Airbagmoduls mit Gas befüllt. Damit Verletzungen vermieden werden, setzen viele Hersteller bei den Frontairbags auf zweistufige Gasgeneratoren. Diese sind dazu in der Lage, entweder den gesamten Airbag mit Gas zu befüllen, oder diesen Vorgang in zwei Stufen zu vollziehen. Somit ist es möglich, den Druck und damit die Airbag-Aggressivität zu mindern.

Gasgeneratoren bestehen aus verschiedenen Bestandteilen. So gibt es neben pyrotechnischen Gasgeneratoren auch Kaltgasgeneratoren und Hybridgeneratoren. Allen Formen ist gemein, dass sie mit Pyrotechnik arbeiten und somit unter das Sprengstoffgesetz fallen.

3. Ausbau, Verkauf und Entsorgung von Airbags

Da in Deutschland keine Airbag-Pflicht besteht, ist es grundsätzlich möglich den Airbag ausbauen zu lassen. Allerdings darf nur ein Airbag ausgebaut werden, der nicht zur Erfüllung des gesetzlich vorgeschriebenen Schutzes bei einem Frontalaufprall erforderlich ist. Wird dieser benötigt und trotzdem ausgebaut, besteht die Gefahr, dass die Betriebserlaubnis erlischt. Um sicher zu gehen, ist es daher ratsam mit Prüfstellen des TÜVs oder Werkstätten in Kontakt zu treten.

Ausbau nur vom Fachmann

Aufgrund ihres Zündmechanismus gehören alle Airbag-Arten nach §4 der Ersten Verordnung des Sprengstoffgesetzes zu den pyrotechnischen Gegenständen der Kategorie P1. So dürfen Airbags wegen ihrer pyrotechnischen Bestandteile nicht von Privatpersonen ohne Sachkundenachweis ausgebaut werden. Dies betrifft auch den Einbau von neuen Airbags sowie die Lagerung dieser.

Nur geschulte Sachverständige mit einem sogenannten Befähigungsschein dürfen nach §20 des Sprengstoffgesetzes mit Airbags arbeiten.

Außerhalb von Werkstätten ist für die Lagerung, den Verkauf und/oder die Vernichtung von Airbags neben einem Befähigungsschein auch eine Erlaubnis nach §7 des Sprengstoffgesetzes notwendig. Diese gilt auch für den Verkauf von gebrauchten Airbags.

4. Entsorgung und Verarbeitung von Airbags nach einem Unfall

Wird ein Airbag während eines Aufpralls ausgelöst, wird das Modul dem Metallschrott und Steuergerät dem Elektroschrott zugeführt. Auch dies darf nur von berechtigten Personen in Werkstätten vorgenommen werden.

Wurde das Fahrzeug jedoch in einen Unfall verwickelt, bei dem es zu keiner Zündung des Airbags kam, sollten Sie prüfen lassen, ob der Airbag weiterhin intakt ist. Ist das Airbag-System unbeschädigt, kann es weiterhin verwendet werden. Bei beschädigten Airbags müssen die Airbag-Einheiten an den Fahrzeughersteller zurückgeliefert werden. Dafür sind speziell zugelassene Behältnisse erforderlich, die den Vorschriften für den Transport gefährlicher Güter entsprechen.

Eine Zündung von beschädigten Airbag-Systemen in Autos, die repariert werden sollen, ist nicht möglich. Das Auslösen der defekten Airbags erfolgt nur dann, wenn das Fahrzeug im Anschluss zusammen mit den Luftkissen verschrottet wird.

5. Sicherheit durch Airbags

Airbag-Systeme bieten während der Fahrt Sicherheit und vermindern das Risiko von Verletzungen um ein Vielfaches. Wie stark ihr Effekt auf die körperliche Unversehrtheit ist, zeigt eine Auswertung der Unfallstatistik der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. In den USA waren Airbags zwischen 1990 und 2007 für 284 Todesfälle mitverantwortlich. Unter den Opfern befanden sich 180 Kinder. Über 24.000 Personen verdanken dem Airbag jedoch in dieser Zeitspanne ihr Leben.

Sicherheitshinweise für den Gebrauch von Airbags

Damit das Airbag-System im Auto seine Funktion bestmöglich erfüllt, ist es wichtig, folgende Sicherheitshinweise zu beachten.

  • Sicherheit für Kinder
  • Es ist darauf zu achten, dass Babys und Kinder bis 150 Zentimeter Körpergröße und einem Alter von unter 12 Jahren nur bei ausgeschaltetem Beifahrerairbag und mit einem geeigneten Kindersitz vorne im Auto sitzen dürfen.

  • Armaturenbrett freihalten
  • Gerade bei längeren Fahrten bietet es sich an, als Beifahrer die Füße entspannt auf dem Armaturenbrett abzulegen. Dies birgt jedoch die Gefahr, dass beim Auslösen des Airbags die Knie des Beifahrers stark zurückgedrückt werden, was zu schweren Verletzungen im Kopf-, Brust- und Beinbereich führen kann.

  • Lenkradabstand einhalten
  • Auch als Fahrer ist es sinnvoll, besonders für Sicherheit im Umgang mit dem Frontalairbag zu sorgen. So empfiehlt es sich, einen Armabstand zum Lenkrad von ungefähr 30 Zentimetern einzuhalten, um durch den Airbag-Druck keine zusätzlichen Verletzungen zu erleiden.

  • Das Abstützen mit den Händen vermeiden
  • Zuletzt wird die Sicherheit während eines Aufpralls erhöht, wenn die Insassen des Fahrzeugs versuchen, sich bei der Kollision nicht nach vorne mit den Händen abzustützen. So wird das Aufblasen des Airbags nicht gestört und das Verletzungsrisiko gemindert.

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