Elektromobilität: Umweltbonus auf der Überholspur

Umweltbonus gefällig? Die Förderung für Elektroautos geht in die 2. Runde, um E-Fahrzeuge endlich auf die Überholspur zu schicken. Hier alles zur neuen Umweltprämie erfahren.

18.05.2018

4.934 Mal wurden Umweltprämien für den BMW i3 beantragt – höher rankt nur der Audi A3.

Eine Million Elektroautos bis zum Jahr 2020: Das war 2008 das Ziel, das sich die frühere Regierung in Sachen Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität gesetzt hatte. Mittlerweile ist die Regierung eine neue, aber die Ziele bleiben die alten.

Obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen schleppender Verkaufszahlen vor einem Jahr erstmals die geplante Million bezweifelte, sollen bis 2020 noch immer so viele Elektroautos wie möglich auf deutschen Straßen fahren. Staatliche Zuschüsse zum Ausbau der E-Mobilität gehen deshalb in die Verlängerungsphase. Zeit für einen Blick auf den Umweltbonus.

1. Verhaltenes Interesse am Umweltbonus

Bis Ende März 2018 wurden für Elektroautos nur 17 Prozent der ursprünglich geplanten 1,2 Milliarden Euro ausgeschüttet. Die vergebenen 206 Millionen verteilen sich auf 57.549 Anträge: 33.318 davon kassierten je 4.000 Euro für reine E-Autos. 24.214 Mal erhielten Plug-in-Hybride eine Umweltprämie von 3.000 Euro. Deshalb sind mittlerweile Verlängerungen der Prämie vorgesehen.

Die Fakten: Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) befinden sich am 01.01.2018 von einem zugelassenen Gesamtbestand von 46.474.594 PKW exakt 53.861 Elektroautos und 44.419 Plug-in-Hybride auf deutschen Straßen.

Bis zum ursprünglichen Ablauftermin im Juni 2019 ist bei den aktuellen Zahlen nicht mit der Ausschöpfung geplanter Fördermittel zu rechnen. Damit die anteilig durch den Bund und die Hersteller bereitgestellte Förderung nicht verfällt, will Bernhard Mattes, der Chef des Automobilverbandes, den Termin auf Ende 2019 verlegen. Den schleppenden Erfolg der Umweltprämie führt er im April 2018 vorwiegend auf infrastrukturelle Probleme zurück. Zustimmung erhält er vom Chef der Nationalen Plattform Elektromobilität, der im Bezug auf Elektroautos zumindest Fortschritte erkennt.

Wegen mangelnden Ladestationen nicht einladend genug

Wo es funktioniert: Bisher sind die meisten Elektrofahrzeuge in Nordrhein-Westfalen (12.125 Anträge), Bayern (11.794 Anträge) und Baden-Württemberg (10.767 Anträge) unterwegs.

Dass die staatliche Prämie für Elektrofahrzeuge auch nach knapp zwei Jahren längst nicht die eigentlich geplanten 300.000 Fahrzeuge bezuschusst, liegt laut Mattes nicht zuletzt an mangelnden Ladestationen. Unter den 11.000 zugänglichen Ladeeinheiten existieren in Deutschland derzeit nur rund 560 Schnellladepunkte. Verbände und Branchenexperten gehen davon aus, dass der Umweltbonus für Autobesitzer erst nach einem Ausbau wirklich einladend wirkt.

Katherina Reiche, die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen, spricht den Stadtwerken eine Schlüsselposition in Sachen Elektromobilität zu. Was den Durchbruch deutscher Elektrofahrzeuge betrifft, müssen die Stromverteilnetze ihrer Meinung nach zugunsten der Ladeinfrastruktur angepasst werden. Trotzdem bleibt das Thema Ladestation nicht das einzige Problem deutscher Elektromobilität. Verbrennungsmotoren kämpfen laut Kurt Sigl, dem Präsidenten des Bundesverbandes eMobilität, bei uns weiterhin mit großem Erfolg gegen E-Autos an.

Benziner bleiben bisher billiger

„Abwrackprämien stellen jegliche Förderung der Elektromobilität in den Schatten.“
Kurt Sigl (Präsident des Bundesverbands eMobilität)

Solange parallel zum Umweltbonus Verbrennungsmotoren gefördert werden, hält Kurt Sigl den Durchbruch der Elektromobilität für ausgeschlossen. Allein die aktuellen Diesel-Umstiegsprämien von Weltmarktführern der Autobranche geben Autobesitzern anscheinend Grund genug, Verbrennungsmotoren trotz Umweltprämie den Elektroautos vorzuziehen.

Studie: In einer GfK-Umfrage begründen Autofahrer ihre Skepsis gegenüber Elektroautos mit mangelnden Ladestationen, geringer Reichweite und trotz Bonus hohen Anschaffungspreisen. Laut ADAC bleibt die Mehrzahl aller E-Autos pro Kilometer deutlich teurer als Benziner.

2. Alter Bonus, neue Richtlinien

Seit dem 03.03.2018 gelten wegen der enttäuschenden Entwicklung neue Richtlinien für den Umweltbonus. Das bisherige Doppelförderungsverbot ist aufgehoben. Dadurch dürfen Sie als Autofahrer bei Bedarf an mehreren Förderprogrammen gleichzeitig teilnehmen.

Neuerungen betreffen außerdem gewerbliche Leasingfahrzeuge, die den geregelten Anteil am Bundesbonus ab sofort inklusive der Mehrwertsteuer auszuweisen haben. Hinsichtlich der Förderungsberechtigung hat sich wenig verändert. Zu den Berechtigten zählen neben Privatpersonen und Unternehmen Körperschaften, Stiftungen und Vereine.

Gut zu wissen: Viele Autohersteller erweitern ihren Pflichtanteil am Umweltbonus um einen zusätzlichen Zuschlag.

Diese Fahrer erhalten fortan die Finanzspritze

Sie erhalten einen Zuschuss beim Kauf oder Leasing neuer Elektrofahrzeuge, die im Basismodell einen Listenpreis von maximal 60.000 Euro verzeichnen. Neben 4.000 Euro für reine Batterieelektroautos gibt es für teilelektrische Plug-In Hybride (Außenlader) 3.000 Euro. Zusätzlich betrifft die Förderung Brennstoffzellenfahrzeuge und Fahrzeuge mit weniger als 50 Gramm CO2-Emission pro Kilometer. Vorausgesetzt ist, dass Sie das neu gekaufte Auto in Deutschland führen. Neben der Klasse M1 sind auch die KLassen N1 und N2 förderungsberechtigt. Für letztere gilt das allerdings nur, wenn Sie einen B-Führerschein besitzen.

Mehr als 150 förderberechtigte Fahrzeuge finden Sie auf der offiziellen BAFA-Liste. Mit über 11.000 gestellten Anträgen führt BMW vor VW, Smart, Renault und Audi. Vorsicht gilt für das Tesla Model S: Nur Verträge ab dem 06.03.2018 sind förderfähig.

Zur Antragstellung stellt Ihnen das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Formulare bereit. Das Amt interessiert sich neben Kaufpreis und Fahrzeugmodell auch für das Erwerbsdatum, das bei förderfähigen Autos nach dem 18.05.2016 liegen muss. Im Leasing-Fall beauftragen Sie bei Bedarf Ihren Händler mit dem Antrag. Wichtig ist, dass ein Vertrag mit ausgewiesenem Förderanteil des Herstellers beiliegt. Maximal 9 Monate nach eingegangenem BAFA-Zuwendungsbescheid legen Sie einen Verwendungsnachweis vor. Dieser besteht aus:

  • Verwendungsformular
  • Rechnungskopie
  • Zulassungsbescheinigung Teil I und II

3. Umweltbonus fördert Ladestationen

Die Umweltprämie ist nicht der einzige Bonus, von dem Sie im Bezug auf Elektromobilität profitieren. Zur Verbesserung der Ladeinfrastruktur verteilt die Bundesregierung mittlerweile außerdem Zuschüsse für Ladestationen. Bis zu 30.000 Euro gibt es für teilweise öffentliche DC-Schnellladestationen. Ladepunkte bis zu 22 kW erhalten zumindest noch Maximalzuschüsse von 2.500 Euro. Seit 2009 sind fünf Milliarden Euro in das Projekt geflossen. 300 weitere Millionen sind bis 2020 geplant.

Gut zu wissen: Im Zuge der Förderungsoptimierungen hat die Regierung die fünfjährige Steuerfreiheit für E-Autos mittlerweile auf zehn Jahre verdoppelt.

Für Unternehmen mit teilweise öffentlichen Ladestationen am Arbeitsplatz gibt es zusätzliche Einkommenssteuervorteile, falls sie Mitarbeitern den Ladevorgang während der Arbeitszeit erlauben. Zusätzliche Lohnsteuervorteile von 25 Prozent erhalten sie auf alle geldwerte Vorteile.

Der Präsident des Bundesverbandes eMobilität weist darauf hin, dass sich Unternehmen schon wegen der im Vergleich zum Diesel besseren Absetzbarkeit beruflich genutzter E-Autos für Elektrofahrzeuge entscheiden sollten. Im selben Zusammenhang kritisiert er benzinbetriebene Busse, die noch immer in deutschen Innenstädten unterwegs sind.

Die staatliche Umweltprämie ist nicht die einzige E-Mobilitätsprämie

E-Fahrzeuge kosten Sie bei der Anschaffung noch immer mehr als ein Dieselfahrzeuge. Abschrecken lassen sollten Sie sich davon allerdings nicht. Neben den staatlichen stehen Ihnen noch weitere Förderprogramme zur Verfügung, die bei voller Ausschöpfung der Umweltprämie anfallen.

Die Stadt München prämiert allein die Verschrottung Ihres Altfahrzeugs mit bis zu 1.000 Euro. Das hat guten Grund: Schließlich verbessern Sie durch E-Mobilität die Luft in der Innenstadt. Weitere E-Mobilitätsförderungen gibt es Seitens der Banken.

Nicht nur an staatliche Zuschüsse und Steuervorteile denken: Auch das KfW-Umweltprogramm hält Fördermöglichkeiten bereit.

Welche weiteren Fördermodelle gefordert werden

Trotz Umweltbonus, Ausbau der Ladestationen und investierten Forschungsgeldern fordern Experten wie Sigl weitere Fördermodelle, um die schnelle Verbreitung der E-Mobilität zu unterstützen. Durch diese Marktaktivierung soll ein nennenswerter Beitrag zur Schadstoffreduzierung leisten. Sigl spricht in diesem Kontext gezielt Berufsgruppen wie Handwerker an, die für ihre Arbeitsmaterialien auch in deutschen Innenstädten noch immer ein Auto brauchen.

Die geplanten Fahrverbote im innerstädtischen Raum reichen seiner Meinung nach nicht, um Unternehmen zur Anschaffung eines Elektrofahrzeugs zu motivieren. Stattdessen schlägt er ein gestaffeltes Fördersystem für Berufsfahrzeuge vor. Der Staat solle in voller Summe für die Mehrkosten aufkommen, die durch den jeweils ersten E-Firmenwagen eines Unternehmens entstehen. Für jedes zweite Firmenauto mit Elektrobetrieb fordert er eine staatliche Mehrkostenbeteiligung von 80 Prozent. Bei jedem Dritten würden bereits 70 Prozent genügen.

Neben 26.561 Privatpersonen haben bislang nur 29.906 Unternehmen Umweltprämien in Anspruch genommen.

4. E-Mobilität: So stehen die Chancen

Die Bundeskanzlerin bekennt sich aktuell wieder zur ursprünglich geplanten Million Elektroautos für 2020. Die GfK-Umfrage kommt dagegen nicht zu dem Schluss, dass Prämien wie der Umweltbonus das Kaufinteresse der Bevölkerung antreiben. Noch immer stellt sich nur jeder siebte Bürger beim nächsten Kauf ein E-Auto vor. Ob geplante Verbesserungen der Ladeinfrastruktur daran noch etwas ändern, zeigt sich spätestens 2020.

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