Was ist bei Kfz-Versicherungen von Gebrauchtwagen wichtig?

Unfälle und Schäden am Auto können sehr schnell teuer werden. Auch deswegen ist die Kfz-Versicherung Pflicht für alle Fahrzeuge, die in Deutschland zugelassen werden.

25.05.2018

Kfz-Versicherung unterschreiben

1. Was ist eine Kfz-Versicherung und wovor schützt sie im Ernstfall?

Wenn es zu einem Unfall mit Ihrem Fahrzeug kommt, schützen Sie Kfz-Versicherungen vor teuren Folgen und sichern Sie somit für den Ernstfall finanziell ab. Unfälle mit Sach- bzw. Personenschäden gehen schnell sehr ins Geld und dementsprechend wichtig ist der Schutz. Die eben genannten Schäden werden in der Regel von der Versicherung gedeckt, außer sie werden vom Fahrer selbst verursacht.

Die wichtigsten Versicherungen sind die gesetzlich verpflichtende Kfz-Haftpflichtversicherung sowie die freiwillige Voll- oder Teilkaskoversicherung. Zudem existieren weitere Zusatzpolicen.

  • Alkoholkonsum; hier kann die Versicherung den Schutz kürzen oder die Zahlung komplett verweigern, je nachdem wie alkoholisiert der Fahrer war.
  • Abgelaufenem TÜV; auch hier zahlt die Versicherung oftmals nicht oder nur teilweise. Grund hierfür ist, dass Sie mit diesem Fahrzeug gar nicht hätten fahren dürfen.
  • Unfällen mit Wildtieren; es sind nur diejenigen Unfälle gedeckt, die während der Fahrt (d.h. nicht im parkenden Zustand) passiert sind.
  • Zum Zeitpunkt des Unfalls fehlender Fahrerlaubnis.

2. Unterschied zwischen der Kfz- Haftpflichtversicherung, Voll- und Teilkasko

Um ein Fahrzeug in Deutschland zuzulassen, halten und fahren zu dürfen, ist eine Kfz-Haftpflichtversicherung per Gesetz vorgeschrieben. Ein Vollkasko- oder Teilkaskoschutz ist dagegen nicht obligatorisch. Die Kfz-Haftpflicht ist daher quasi die Basisversicherung und deckt Personen-, Sach- und Vermögensschäden im Falle eines Unfalls ab. Sie deckt Schadensersatzansprüche von Dritten ab, die dem Versicherten durch Verschulden des Unfalls entstehen, d.h. sie greift bei Schäden am nicht-eigenen Kfz. Es handelt sich um eine Autoversicherung nach §1 des deutschen Pflichtversicherungsgesetzes.

Die Teilkaskoversicherung ist freiwillig und deckt zusätzlich die Schäden am eigenen Fahrzeug ab, die durch Brand, Explosion, Diebstahl, Wildunfällen oder Unwetter entstehen. Die Vollkaskoversicherung deckt alles ab, was die Teilpolice bereits abdeckt. Zusätzlich sind Sie hier auch gegen Schäden versichert, die mutwillig durch Dritte herbeigeführt wurden, bei einem Unfall an Ihrem Fahrzeug entstanden sind oder die durch einen geplatzten Reifen entstehen, wenn dieser einen Unfall nach sich zieht.

Die Wahl der freiwilligen Versicherung hängt vom Wert des eigenen Fahrzeugs ab. Bei einem alten Gebrauchtwagen rechnet sich ein Vollkaskoschutz in der Regel nicht. Bei einem jungen Gebrauchten dagegen ist ein Vollkaskoschutz durchaus sinnvoll, da der Wertverlust des Kfz im Falle eines Unfalls deutlich höher ist. Eine Teilpolice ist stets ratsam, da Schäden am eigenen Pkw ansonsten schnell ins Geld gehen können. Grundsätzlich lohnt es sich, vor Abschluss der Versicherung auf dessen Wert und Risikofaktoren zu achten sowie natürlich verschiedene Angebote zu vergleichen.

3. Prämie der Versicherung

Die jährlichen Kosten der Autoversicherung hängen von verschiedenen Faktoren ab. Alter des Fahrers, Fahrerfahrung, Wohnort und Schadensfreiheitsklasse sind hier ebenso wichtig wie Modell, Motor und Alter des Autos. Dies liegt daran, dass Versicherungen Statistiken darüber führen, wer prozentual gesehen am wahrscheinlichsten einen Unfallschaden haben wird. Wie negativ ein Modell bewertet wird, kann aber je nach Versicherung schwanken, sodass sich auch deshalb ein Vergleich lohnt.

Zudem ist die Prämienhöhe beeinflussbar. Je größer die vereinbarte Selbstbeteiligung, desto niedriger ist die Prämie. Wenn Sie Kleinstschäden selbst reparieren und diese der Versicherung nicht melden, haben sie auch keinen negativen Einfluss auf Ihre Schadensfreiheitsklasse (SF), d.h. die Prämie steigt nicht. Grundsätzlich ist beim Thema Selbstbeteiligung allerdings Vorsicht geboten, denn sie gilt pro Vorfall und nicht pro Jahr und kann je nach Unfallschaden extrem teuer werden.

Die Prämienhöhe bemisst sich nicht nur am Fahrzeughalter, sondern auch den angemeldeten Fahrern. Jeder, der das Kfz regelmäßig fährt, muss bei der Versicherung gemeldet sein. Dementsprechend können Sie sparen, wenn nur Sie allein das Auto halten und fahren. Es lohnt sich daher vor Abschluss der Versicherung genau zu überlegen, wie viele und welche Fahrer Sie angeben.

4. Höhe der Deckungssumme

Die gesetzliche Höchstdeckungssumme im Schadensfall ist niedrig, was – sofern diese nicht freiwillig erhöht wird – zu finanziellen Schwierigkeiten im Falle eines Unfalls führt. Sie liegt bei 7,5 Millionen Euro für Personenschäden, 1,12 Millionen Euro für Sachschäden und 50.000 Euro für weitere Schäden. Sobald ein Unfall mit mehreren Personen passiert, reicht diese Summe meist nicht aus. Daher wird empfohlen, eine Versicherung zu wählen, deren Höchstsumme 100 Millionen Euro beträgt. Mit steigender Deckungssumme steigt natürlich auch die Prämie.

Gerade hinsichtlich der Schadensabdeckung ist Vorsicht beim Fahren im Ausland mit einem Mietwagen geboten. Denn in der Regel wird bei einem Unfall das Inlandsrecht angewendet, sprich bei Haftpflichtschäden zählt die Auslandshöchstsumme. Um hier auf Nummer sicher zu gehen, lohnt sich eine Zusatzversicherung.

5. Rückstufungstabellen: Was sie sind und was sie bewirken

Versicherungen belohnen Fahrer, die unfallfrei fahren. Hierfür gibt es die sogenannten Schadensfreiheitsklassen. Für jedes Jahr, das Sie unfallfrei fahren, steigen Sie in der Regel eine Schadensfreiheitsklasse (SF) auf. Die höchste Klasse ist SF 35. Durch Schäden werden Sie runtergestuft. Wie stark dies ausfällt, hängt von der Versicherung ab.

In den Rückstufungstabellen können Sie erkennen, wie weit Sie für welchen Schaden heruntergestuft werden. Ein kleiner Blechschaden fällt bei manchen Versicherungen kaum ins Gewicht, während er Sie bei anderen Versicherungen gleich mehrere Schadensfreiheitsklassen kostet. Daher sollten Sie bei Ihrer Wahl der Versicherung die Rückstufungstabelle immer beachten. Ein günstiger Tarif mit einer ungünstigen Tabelle kann im Ernstfall teurer werden als ein höherer Tarif mit besseren Konditionen.

Eine Rückstufungstabelle muss oftmals aktiv erfragt werden und ist online nicht unbedingt einsehbar. Eine Versicherung abzuschließen, ohne dass Sie diese Tabelle kennen, wäre ein großes Risiko und sollte daher vermieden werden. Oftmals reicht ein Anruf bei der Versicherung, um die Tabelle zugeschickt zu bekommen und besser vergleichen zu können.

6. Weitere Zusatzversicherungen

Schutzbrief: Sowohl Versicherungen als auch Automobilclubs bieten Schutzbriefe fürs Kfz an. Diese liefern den Versicherten einen zusätzlichen Schutz im Falle von Pannen und Unfällen. Dazu gehören beispielsweise: Pannenhilfe, Abschleppen, Rücktransport von Fahrzeughalter (bspw. durch Bereitstellung eines Mietwagens) und Fahrzeug oder Ersatzteilbeschaffung.

Mallorca-Police: Hierbei handelt es sich um einen zusätzlichen Haftpflichtschutz, der sich speziell auf die Deckungssumme im Ausland bezieht. Im Falle eines Unfalls mit einem Leihwagen im Ausland wird die inländische Höchstdeckungssumme umgangen und i.d.R. erhöht.

7. Risiko durch eine Versicherung, die online abgeschlossen wird

Online-Vergleichsportale erleichtern den Vergleich und Abschluss von Versicherungen. Ihre Vor- und Nachteile sollten allerdings genau betrachtet werden:

Vorteile

  • Schnelle Vergleichsmöglichkeiten
  • Leichtes Filtern nach Suchkriterien
  • Oftmals günstiger
  • Schnell abschließbar

Nachteile

  • Kein persönlicher Ansprechpartner
  • Vergleich der Rückstufungen bei den Schadenfreiheitsklassen ist schwieriger
  • Mehr Vorwissen des Kunden nötig
  • Keine Beratung; Nachfragen sind oft schwierig

Verträge, die online abgeschlossen werden, sind nicht zwangsläufig riskanter. Insbesondere bei der Rückstufung muss sich der Kunde aber informieren. Versicherungen, die hier keine Einblicke ermöglichen, sollten Sie lieber meiden. Auch wenn Sie wenig Erfahrung haben oder unsicher sind, sollten Sie sich lieber persönlich vor Ort beraten lassen. Wissen Sie aber genau, was sie wollen, dann kann ein Abschluss online eine gute Alternative sein, was speziell einen Vergleich deutlich erleichtert.

Wichtig zu wissen ist, dass Verträge, die Sie online abschließen, die gleiche Gültigkeit haben, wie Verträge, die mit Hilfe eines realen Beraters oder einer Agentur abgeschlossen werden. Der TÜV Rheinland warnt gerade deshalb vor betrügerischen Versicherern online. Denn viele undurchsichtige Anbieter blenden mit vermeintlich niedrigen Summen, die sich jedoch nach Abschluss als weitaus höher erweisen.

8. Kfz-Versicherungen: Wichtig und teilweise unübersichtlich

Kfz-Versicherungen sind in Deutschland zum Teil unerlässlich und in jedem Falle wichtig. Deshalb sollten Sie sich genug Zeit nehmen, um das für Sie geeignete Versicherungsmodell zu finden. Welche Versicherung optimal ist, kann nicht spontan für jeden beantwortet werden. Sie sollten daher zunächst den eigenen Bedarf feststellen können und danach eine geeignete Versicherungspolice auswählen. Für Gebrauchtwagen ist in der Regel eine Teilkaskoversicherung optimal. Dies hängt aber vom Wert Ihres Fahrzeugs ab.

Heutzutage werden immer mehr Versicherungen online abgeschlossen. Für einen ersten Vergleich eignen sich entsprechende Seiten auf jeden Fall. Wenn Sie aber unsicher sind, sollten Sie sich Rat holen. Das Geld, welches Sie online vermeintlich sparen, kann schließlich durch einen ungünstigen und unpassenden Tarif schnell wieder weg sein.

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