Felgen: Zwischen Blickfang und Sicherheit

Für viele ist die Felge an einem Auto die eigentliche Attraktion. Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihre Felgen richtig polieren und pflegen und worauf Sie noch achten sollten.

15.03.2014

Felgen polieren

Eine Felge ist heutzutage neben seiner technischen Funktion vor allem ein Blickfang, der ein Auto optisch aufwertet. Insgesamt gibt es drei verschiedene Sorten an Felgen, die sich alle in den Grundmaterialien, aus denen sie bestehen, unterscheiden. Dazu gehört die Stahlfelge, die Alufelge, sowie solche aus Chrom. Ihnen allen kommen bestimmte Eigenschaften zu, die für oder gegen sie sprechen.

Grob lässt sich sagen, dass Alu- und Chromfelgen beliebter und auch teurer als Stahlfelgen sind. Der höhere Beliebtheitsgrad resultiert aus der ansprechenderen Optik, der höhere Preis vor allem daher, dass bei Felgen aus Leichtmetall mehr Material verarbeitet wird und die Herstellung im Allgemeinen komplexer ist. Das sorgt auch dafür, dass Alufelgen, damit sie eine höhere Langlebigkeit haben, schwerer im Gewicht sind und somit ursprüngliche Vorteile, wie Kraftstoffeinsparungen oder ein verbessertes Brems- und Beschleunigungsverhalten, nicht mehr gegeben sind. Dadurch fällt allerdings auch der Vorteil der Stahlfelgen, der sich in einer besseren Eignung im Winter begründet, weg.

1. Stahlfelgen: Was macht sie aus? Wie werden sie gepflegt?

Die beiden größten Vorteile von Stahlfelgen sind ihre Robustheit und ihr günstiger Preis im Vergleich zu Alu- und Chromfelgen. Der günstigere Preis ist auch der Hauptgrund, warum sie häufig für die in Deutschland kürzere Wintersaison verwendet werden. Diese beträgt gerade im Vergleich zur Sommersaison und den Übergangszeiten nur wenige Monate. Deshalb lohnt sich die Anschaffung teurer Felgen aus Leichtmetall oder Chrom nur für Liebhaber, da diese dann nur über einen kurzen Zeitraum genutzt werden können und danach wieder ausgetauscht werden müssen.

Ein Nachteil wiederum ist, dass Felgen aus Stahl gerade beim häufigen Einsatz in der Winterzeit anfangen zu rosten und den Wagen insgesamt dadurch optisch abwerten. Ist das erst einmal passiert, hilft nur noch eine Neulackierung. Diese kann in wenigen Schritten auch selbstständig durchgeführt werden: Entfernen Sie zunächst den alten Lack von der Felge. Dies kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden. Hier eignen sich unter anderem eine Sandstrahlkabine, die allerdings sehr teuer ist, das wesentlich günstigere Schleifpapier, dessen Nutzung allerdings mit größerem Arbeitsaufwand verbunden ist oder ein Bohrmaschinenaufsatz. Bei besonders hartnäckigem Rost sollte ein Drahtbürstenaufsatz verwendet werden. Restlack sollten Sie lediglich abschleifen. Damit der Untergrund möglichst gleichmäßig bleibt, kann die Felge noch vollständig mit einem nassen Schleifpapier bei mittlerer Körnung (ca. P400) bearbeitet werden. Reinigen Sie die Felge danach gründlich von Schleifstaub und anderem Schmutz. Verwenden Sie hierfür entweder Nitro-Verdünnung oder einen Silikonentferner.

Achten Sie darauf, sonst keine chemischen oder abrasiven Reinigungsmittel zu verwenden, da diese die Lackschicht beschädigen können. Grundieren Sie anschließend die Felge, bevor Sie mit der Lackierung anfangen, mit einem Zwei-Komponenten-Filler, wie etwa Epoxidharze. Anschließend sollte noch einmal mit einem Schleifpapier mit feinerer Körnung (P600 bis P800) nass abgeschliffen werden. Suchen Sie sich eine Farbe aus und lackieren Sie die Felge. Tun Sie das in mehreren Schichten und achten Sie dabei darauf, dass die Sprühdose oder -pistole beim Lackiervorgang immer in Bewegung bleibt, damit keine lästigen Farbnasen entstehen. Versiegeln Sie danach die Oberfläche mit Klarlack. Achten Sie darauf, dass sich die einzelnen Komponenten (Grundierung, Lack und Klarlack) untereinander vertragen und nicht zu ungewünschten Reaktionen führen.

Tipp: Sie können statt des Lackierens die Stahlfelge auch mit einer Pulverbeschichtung versehen. Diese ist extrem widerstandsfähig, kostet aber wesentlich mehr als eine Lackierung.

2. Chromfelgen: Wie verläuft die Pflege und worauf ist zu achten?

Der wohl größte Unterschied von Chromfelgen im Gegensatz zu Stahlfelgen ist, dass sie nicht lackiert und auch nicht poliert werden, sondern ihre charakteristische Glanz-Optik durch den Prozess der Galvanisierung erhalten. Sie gehören ebenso wie Aluminium- und Magnesiumfelgen zum Segment der Leichtmetallfelgen, auch wenn Chrom im chemischen Sinne den Übergangsmetallen zugerechnet wird. Der Vorteil gegenüber lackierten Felgen ist, dass sie extrem widerstandsfähigin Bezug auf heißem Bremsstaub sind, der sich häufig in sie einbrennt. Durch ihren hohen Steifheitsgrad können Bürsten und Lappen im Normalfall keinen Schaden anrichten. Gerade durch ihre Härte ist aber bei ihnen eine bestimmte Stoßempfindlichkeit vorhanden, die bei Bordsteinkanten und Führungschienen in der Waschanlage doch zu Schäden kommen.

Achten Sie beim Reiniger von Chromfelgen auf folgende Punkte:

  • Keine konventionellen Felgenreiniger verwenden! Auch hier gilt, dass von abrasiven Reinigungsmitteln Abstand zu nehmen ist. Normale Felgenreiniger enthalten zudem Schleifmittel, die der Oberfläche ihren Glanz nehmen.
  • Verwenden Sie stattdessen besser warmes Wasser! Tatsächlich reicht zumeist ein sauberer Lappen und etwas warmes Wasser, um eine Chromfelge zu säubern. Sie können stattdessen aber auch Spülmittel oder eine Chrompolitur verwenden. Letzteres hat den zusätzlichen Vorteil, dass sie zumeist auch lästigen Flugrost entfernt.

Tipp: Achten Sie bei Chromalufelgen darauf, dass die Verchromung auch wirklich durch Galvanisierung erreicht wurde. Verschiedene Händler bieten Chromalufelgen mit SLC-Beschichtung an. Dies ist eine Pulverbeschichtung, die nicht dem gleichen Qualitätsstandard entspricht.

3. Aluminiumfelgen: Wie werden sie gereinigt und was macht sie aus?

Felgen aus Aluminium werden, genau wie Chromfelgen, hauptsächlich aus optischen Gründen gekauft. Sie erfreuen sich gerade in der Tuningszene großer Beliebtheit und wurden ursprünglich verwendet, weil sie leichter waren und deswegen sowohl beim Fahrkomfort Verbesserungen mit sich brachten, als auch den Verschleiß von Stoßdämpfern und Radaufhängung minderten. Inzwischen werden Alufelgen allerdings mit wesentlich mehr Material verbaut, sodass dieser Vorteil wegfällt.

Ihre größten Feinde sind die üblichen Hilfsmittel gegen Glatteis auf Straßen, also Rollsplitt und Streusalz. Zudem sollte darauf geachtet werden, mit ihnen nicht an Bordsteinkanten anzustoßen, da dies zu unschönen Kratzern oder gar Haarrissen führen kann. Gleiches gilt für Chromfelgen, während solche aus Stahl in diesem Punkt robuster sind. Ist es doch einmal passiert, können die Alufelgen aber auch selbstständig repariert werden. Verfahren Sie dabei folgendermaßen:

Reinigen Sie die beschädigte Stelle der Alufelge mittels einer Nitroverdünnung, damit die Beschädigung gut sichtbar wird. Schleifen Sie anschließend die Oberfläche mit einem gröberen Schleifpapier bei einer Körnung von etwa 240 ab. Gehen Sie dann noch einmal mit einer feineren Körnung von etwa 360 über die Alufelge und pusten danach sämtlichen Staub ab oder benutzen dafür vorsichtig einen Staubsauger. Kleben Sie die umliegenden Stellen sauber ab und schützen dabei vor allem den Reifen, der durch den Lack und die Schleifvorgänge Schaden nehmen kann. Spachteln Sie nun die schadhafte Stelle mit etwas Reparaturspachtel zu und glätten diesen anschließend. Es ist wichtig, dass Sie die Gebrauchsanweisung der Spachtelmasse lesen, da diese in einem bestimmten Mischungsverhältnis angerührt werden muss. Lassen Sie das Ergebnis anschließend aushärten. Hierbei gilt die Faustregel: Lieber etwas zu lang warten, als zu kurz! Sollte das Ergebnis nicht Ihren Vorstellungen entsprechen, wiederholen Sie diesen Vorgang.

Alufelgen selbstständig lackieren

Es ist auch möglich, dass Sie eine Alufelge selbstständig lackieren, dafür ist verschiedenes Equipment erforderlich:

  • idealerweise eine Montiermaschine
  • Schleifpapier mit unterschiedlichen Körnungen (von grob bis sehr fein)
  • Grundierung für Aluminium
  • Felgenlack
  • Klarlack
  • Staubschutzmaske

Nun befolgen Sie folgende Schritte:

  1. Polieren Sie die Kratzer weg!

    Kleinere Kratzer und Schrammen polieren Sie einfach mit etwas Schleifpaper (Körnung: P240) weg. Seien Sie aber achtsam. Kratzer dürfen in keinem Fall tiefer als 2 Millimeter sein. Ist nämlich ein Haarriss vorhanden, muss die Felge ausgetauscht werden.

  2. Entfernen Sie den Altlack!

    Nehmen Sie dafür Nassschleifpapier mit unterschiedlichen Körnungen für die einzelnen Phasen des Schleifens. Zunächst eine Körnung von P400, dann P600 und zuletzt 800 oder 1000. Sie können den Lack aber auch chemisch entfernen oder abstrahlen. Achten Sie jedoch darauf, den Schleifstaub direkt danach vollständig zu entfernen und haben Sie während dieses Vorgangs die Staubschutzmaske auf.

  3. Reinigen Sie die Oberfläche der Alufelge!

    Hierfür eignet sich ein handelsüblicher Silikon-Entferner oder eine Nitro-Verdünnung. Beides ist gut für die Reinigung einer Alufelge geeignet.

  4. Grundieren Sie die Alufelge!

    Grundieren Sie die Alufelge mit einem Filler. Diese werden häufig auch einfach „Alu-Grundierung" genannt.

  5. Erst Lack und dann Klarlack auf die Alufelge auftragen!

    Lackieren Sie nun die Alufelge in der gewünschten Farbe. Lesen Sie sich aber genau die Gebrauchsanweisung durch, ob der Lack auch für die Felge geeignet ist. Halten Sie dabei die Sprühdose oder -pistole ständig in Bewegung, damit keine hässlichen Farbnasen entstehen. Anschließend tragen Sie den Klarlack auf. Achten Sie dabei auf die Verträglichkeit der einzelnen Komponenten, die Sie untereinander verwendet haben.

4. Die Codierung von Felgen leicht erklärt

Die richtige Größe von Felgen muss erst ermittelt werden. Damit die Maße auch sicher stimmen, ist auf der Rückseite jeder Felge eine Codierung angebracht, die genau darüber Aufschluss gibt. Sollten jedoch Unsicherheiten bestehen, ist es besser, Rat von einem Fachmann einzuholen, bevor eine Felge mit falschen Maßen gekauft wird. Der Code besteht aus einer Kombination von Buchstaben und Ziffern und lässt neben den Maßen meist immer den Hersteller erkennen. Das verwendete Schema ist maßgeblich dafür entscheidend, ob die Felge passgenau angebracht werden kann oder nicht. Es gibt zwei Teile in dem Code, die durch ein kleines x getrennt sind.

Hier ist ein Beispiel zur Veranschaulichung:

7½ J × 16 H2 ET15, LK 5× 110 MZ57

  • 7½ = zeigt an, wie breit die Felge in Zoll ist
  • J = bezeichnet, wie das Felgenhorn beschaffen ist
  • x = kennzeichnet den Aufbau der Felge (in diesem Fall eine einteilige Tiefbettfelge)
  • 16 = zeigt den Durchmesser in Zoll an
  • H2 = steht in diesem Fall für zwei Humps, also zwei Höcker im Felgeninneren
  • ET15 = gibt die Einpresstiefe in Millitmeter an
  • LK = steht für Lochkreis
  • 5x = steht für die Anzahl der Bolzenlöcher
  • 110 = gibt den Durchmesser der Löcher in Millimeter an
  • MZ57 = steht für die Mittelhochzentrierung (auch Nabenbohrung genannt) in Millimeter

5. Worauf bei Felgen noch zu achten ist

Autos, deren Felgen verrostet sind, haben keinen Nachteil bei der HU/AU. Sie bekommen die entsprechende Betriebserlaubnis, wenn sie nach der Anbringung ordentlich in die Fahrzeugpapiere eingetragen sind und eine ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) besitzen. Ein spezielles Augenmerk sollte noch auf die Felgenmuttern gelegt werden. Diese können in Einzelfällen auch bei einem Wechsel von Sommer- auf Winterreifen weitergenutzt werden, auch wenn auf ein anderes Material umgestiegen wurde.

Als Faustregel gilt, dass die Muttern soweit auf den Reifen drauf gedreht werden müssen, wie ihr Innendurchmesser groß ist. Es sollten allerdings immer mindestens 7 Umdrehungen sein. Bei einer Radmutter mit der Kennzeichnung M12 (also 12 Millimeter) sind es wegen der Steigung von 1,25 Millimeter 9 Umdrehungen. Achten Sie darauf, dass es bei einer nicht richtig festgezogenen Felge oder verwendeten Felgenmuttern, die nicht passen, zu schweren und teuren Schäden an der Radaufhängung kommen kann.

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