Ist mein Diesel-Auto von Wertverlust betroffen?

Das Leipziger Urteil zu Diesel-Fahrverboten verunsichert Fahrzeughalter. Es droht ein Diesel-Auto Wertverlust.

In vielen Städten werden die Limits für Diesel-Abgase überschritten. Folgen keine ausreichenden Maßnahmen zur Luftreinhaltung, wären dort laut Bundesverwaltungsgericht Fahrverbote grundsätzlich zulässig. Der Verkauf einiger Diesel-Autos wäre dann erschwert.

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1. Hintergrund zum möglichen Diesel-Auto Wertverlust

Stadtverkehr in Hamburg

In 70 deutschen Städten wurde bis zu doppelt so viel Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft gemessen, als nach geltenden EU-Vorschriften zugelassen ist. Dabei gilt bereits seit 2010 ein Höchstwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter für den NO2-Schadstoff. Laut Umweltbundesamt ist NO2 in Innenstädten zu 67 Prozent auf Diesel PKW zurückzuführen. Deshalb könnten betroffene Städte nun Fahrverbote einführen, so verkündet auch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig im Februar 2018.

Derzeit stehen die Bundesregierung und die Autohersteller unter Zugzwang die NO2-Werte der Diesel-Autos zu verbessern und in den betroffenen Städten für bessere Luft zu sorgen. Sonst könnten Fahreinschränkungen für Diesel unterhalb der Euro-6d-Norm eingeführt werden und bei vielen Diesel-Autos Wertverluste nach sich ziehen.

Das Gerichtsurteil zu Fahrverboten: Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Leipzig vom 27. Februar 2018 schafft einen gesetzlichen Rahmen, in dem Fahrverbote in vom Abgas-Problem betroffenen Städten zulässig sind. Die Richter erklärten somit eine Vorlage vor dem Europäischen Gerichtshof für nicht nötig. In einigen Städten rücken Fahrverbote somit in greifbare Nähe, wobei das Gericht den Appell zur Verhältnismäßigkeit der Verbote aussendet. Ausnahmeregelungen soll es geben, eine Pflicht zum finanziellen Ausgleich für Diesel-Fahrer jedoch nicht. Vor 2020 sind umfassende Verbote unwahrscheinlich.

2. Was wird gegen Diesel-Fahrverbote und Wertverlust unternommen?

Software-Updates gegen Wertverlust unter Euro-5- und Euro-6-Dieseln

Laut den Herstellern kann jeder zweite Euro-5-Diesel mit Hilfe eines Updates der Motorsoftware bessere Abgaswerte erzielen. Auf dem sogenannten Diesel-Gipfel im August 2017 haben VW, Audi, Porsche, Daimler, BMW und Opel eine Kostenübernahme für die Software-Updates zugesagt. In der Folge wird die Software auf etwa 5 Millionen Euro-5-Diesel in Deutschland geladen.

Der NO2-Ausstoß der Dieselmotoren wird durch das Update angeblich um 30 Prozent reduziert. Doch verweigern ausländische Hersteller für das Aufspielen neuer Software aufzukommen. Zudem wären selbst 30 Prozent weniger Stickstoffdioxid-Ausstoß nicht genug, um den offiziellen Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer für Euro-6-Diesel zu erreichen. Folglich könnten Fahrverbote und Wertverluste bei Diesel PKW damit allein nicht abgewendet werden.

Abwrackprämie und Wertverlust-Ausgleich unter Euro-4-Dieseln

Autos nach der Verschrottung

Im Jahr 2017 starteten viele Hersteller eine Aktion mit bis zu fünfstelligen Rabatten beim Kauf von Neuwagen. Je nach Hersteller und ausgewähltem Modelltyp variieren die Abwrackprämien. Sie dienen als Anreiz, ein Euro-4-Dieselfahrzeug zu verschrotten und gegen einen emissionsärmeren Neuwagen zu tauschen.

Die Abwrackprämie könnte Wertverluste der Diesel-Fahrzeughalter von jungen Euro-4-Modellen ausgleichen, deren Fahrzeugwert seit der Fahrverbot-Diskussion sank. Falls diese Autofahrer einen Neuwagen-Kauf in Erwägung ziehen, stellen die Angebote der Hersteller einen Ausweg von möglichen Diesel-Wertverlusten für sie dar. Im Zuge des Leipziger Diesel-Urteils wird von Politikern die Forderung nach höheren Kaufprämien laut, damit sich von Fahrverboten betroffene Verbraucher Neuwagen leisten können.

Messungen des Umweltbundesamts in Deutschland haben allerdings gezeigt, dass durch den Umstieg auf Euro-6-Diesel keine Einhaltung des Grenzwerts für NO2 in Städten zu erwarten ist. So würden derzeit nur Dieselmodelle der neuen Euro-6d-Norm die Grenzwerte sicher nicht überschreiten.

3. Welche Diesel-Autos könnten noch im Wert sinken?

Aktuell sind sehr junge Gebrauchtwagen betroffen

Aufgrund der Abwrackprämie greifen vor allem in Stadtgebieten auch klassische Gebrauchtwagenkäufer jetzt zu neuen Modellen, statt noch junge Diesel auf dem Gebrauchtwagenmarkt in Betracht zu ziehen. Daher ist ein Wertverlust unter 3 Jahre alten Dieseln derzeit nicht auszuschließen.

Gleichzeitig zur Abwrackprämie verkaufen derzeit mehr Diesel-Fahrzeughalter ihr aktuelles Modell. Somit korrigieren Händler mit vielen sehr jungen Diesel-Modellen im Bestand die Preise der Autos bereits herunter.

Betrifft Wertverlust Euro-5-Diesel?

Viele Euro-5-Diesel könnten besonders in Städten von einem Wertverlust betroffen sein. Durch eine Nachrüstung der Abgasreinigung kann unter einigen Dieseln der Abgasnorm Euro 5 jedoch die Euro-6-Norm erreicht werden. Dies gilt vor allem für Fahrzeug-Modelle, die bereits mit der AdBlue-Technologie zur NO2-Neutralisierung angeboten wurden, noch bevor die Abgasnorm Euro 6 eingeführt wurde. Denn für diese Autos haben die Hersteller die notwendigen Ersatzteile, um ihre Schadstoffwerte auf die Grenzwerte für die Euro-6-Klasse herunter zu regulieren.

Vor allem deutsche Hersteller haben beispielsweise mit dem VW Passat, BMW X5 oder Mercedes GLK schon ab 2008 den SCR-Katalysator beziehungsweise den NOx-Speicherkatalysator verkauft. Ein Wertverlust unter VW Diesel-Autos oder anderen deutschen Herstellermarken wäre so aufzuhalten. Einfache Software-Updates sind dagegen oft ungenügend, um von möglichen Fahrverboten verschont zu bleiben.

Der Verbraucherschutzminister Heiko Maas fordert im Zuge des Leipziger Diesel-Urteils eine Entlastung der Autofahrer durch technische Nachrüstungen für Euro-5- und Euro-6-Fahrzeuge. Auch das Verwaltungsgericht appelliert an die Verhältnismäßigkeit der Verantwortlichen. So wären 10 Millionen von insgesamt 15 Millionen Diesel-Autos in Deutschland von Ausschlüssen betroffen, da sie unterhalb der aktuellen Euro-6-Norm liegen (Stand Februar 2018).

4. Sind Diesel-Autos beim Autoverkauf benachteiligt?

Sinkende Nachfrage für Euro-4- und Euro-5-Diesel

Bislang waren junge Euro-4-Diesel auf dem Gebrauchtwagenmarkt ähnlich beliebt wie ältere Euro-5-Diesel. Aufgrund möglicher Fahrverbote ist ein Wertverlust unter Euro-4-Dieseln jedoch kaum noch aufzuhalten, da Nachrüstungen hier deutlich teurer wären als bei Euro-5-Dieseln. Eine Nachfrage für sie bestünde in Ländern, in denen weniger strenge Abgas-Grenzwerte für Dieselfahrzeuge gelten. Dabei sind auch ältere Euro-5-Modelle der Jahrgänge 2009-2013 schwer nachzurüsten und hätten mit einem Diesel-Wertverlust zu rechnen.

Wertverlust bei Dieseln der Abgasnorm Euro 5: Vor allem in Großstädten können Diesel-Wertverluste schon jetzt finanzielle Folgen für Fahrzeughalter haben. In Berlin ist der Wert der Fahrzeuge bereits um über 10 Prozent und in Stuttgart um bis 20 Prozent gesunken, so zeigen aktuelle Zahlen der per Inserat verkauften Diesel PKW. Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Fahrverboten verschärft sich dieser Diesel-Auto Wertverlust weiter.

Nachteile für 3 Jahre alte Diesel

Autos stehen Schlange

Vor allem Firmen-, Miet- und Dienstwagen sowie Eigenzulassungen der Autobauer machen laut einer Studie des CAR-Instituts mehr als drei Viertel aller neuen Diesel-Autos aus. Spätestens nach drei Jahren werden diese auf dem Gebrauchtwagenmarkt angeboten.

Derzeit ist jedoch eine Zurückhaltung der bisherigen Käufer zu verzeichnen, welche sonst die sehr jungen Diesel-Rückläufer kauften. So könnte ein Angebotsüberhang und ein Diesel-Wertverlust unter den 0 bis 3 Jahre alten Fahrzeugen entstehen.

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Viele deutsche Autokäufer stehen der Diesel-Antriebsart nicht grundsätzlich skeptisch gegenüber. Im „Diesel-Barometer“ der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) geben viele die Debatte um Fahrverbote als Grund dafür an, derzeit keine Diesel-Autos zu kaufen. Andererseits befürchten viele Städter einen Wertverlust unter ihren noch jungen Dieselfahrzeugen.

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Jamshid K. | Ludwigsburg | Volkswagen Golf Plus, 2005 31.07.2018
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Gerhard R. | Kempten (Allgäu) | Audi Q5, 2010 03.09.2018