Einen Eigenbau zulassen: So funktioniert’s

Damit ein Eigenbau zugelassen wird, sind bestimmte Bedingungen und Voraussetzungen zu erfüllen. Die hierfür anfallenden Kosten sind beachtlich.

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Deutschland gilt als Land der Hobbybastler. So mancher Autobegeisterter hat das Ziel, sein Fahrzeug komplett in Eigenregie zusammenzubauen. Ein Eigenbau wird häufig als Kit Car bezeichnet, was übersetzt so viel wie „Bausatzauto“ bedeutet.

Wer denkt, ein Eigenbau spart Geld, liegt falsch. Auch selbstgebaute Autos sind im Straßenverkehr nur mit entsprechender Zulassung erlaubt. Die Anmeldung eines Kit Cars ist in der Regel mit einigen Mühen und enormen Kosten verbunden.

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1. Kit Cars: Ein Einstieg in die Thematik

Eigenbau zulassen

Autos zum Selberbasteln waren vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr beliebt. Doch auch heute sind noch entsprechende Bausätze erhältlich. Kit Cars stammen ursprünglich aus Großbritannien. Dort wurde beim Verkauf eines Neuwagens eine Verkaufssteuer berechnet, die bei den Einzelteilen jedoch entfiel. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Briten ihren Wagen früher selbst zusammenschraubten. Auch in der heutigen Zeit gilt das Vereinigte Königreich als größter Hersteller und Absatzmarkt für Eigenbau-Autos.

Zahlreiche Bausätze wurden und werden ebenfalls in Deutschland vertrieben. Am gefragtesten sind dabei Retro-Modelle, also alte Sportwagen oder Limousinen-Klassiker wie die AC Cobra oder der Lotus Seven. Es existieren jedoch auch modernere Varianten wie der C7. Der Roadster basiert aus technischer Sicht auf dem Smart und kostet etwa 15.000 Euro. Laut Michalak – dem Designer des C7 – erfordert die Montage weder ein Schweißgerät noch eine Hebebühne.

Eigenbau zulassen - Fahrzeugteile

Derzeit handelt es sich bei den meisten Bausätzen um Replikate historischer Modelle. Den Nachbau erwirbst Du für gewöhnlich als nicht komplettierten Bausatz. Dabei ist das Fahrgestell (Chassis) von der Karosserie getrennt. Technische Komponenten wie Motor oder Getriebe stammen oftmals auch von Gebrauchtwagen. Einige Bastler fertigen sogar den Fahrzeugrahmen selbst an oder passen diesen an. Das Zusammenbauen eines Autos erfordert für gewöhnlich mehrere Hundert Arbeitsstunden.

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2. Einen Eigenbau in Deutschland zulassen

Ein selbstgebautes Auto zulassen? Das ist auch in der heutigen Zeit eine kostspielige Angelegenheit. Schließlich brauchst Du für gewöhnlich eine Einzelbetriebserlaubnis. In den alten Bundesländern ist dafür der TÜV zuständig und in den neuen die DEKRA. Verwendest Du bei dem Eigenbau einen originalen Fahrzeugrahmen, gilt der Wagen anschließend als Umbau des Originalfahrzeuges. Dies erleichtert die spätere Anmeldung des Fahrzeugs erheblich. Falls Du den Rahmen bearbeitest, schätzt die Behörde das Auto dagegen als Neuzulassung ein.

Je nach Bauteil werden zudem verschiedene Belege benötigt. Dabei handelt es sich beispielsweise um eine Bauartgenehmigung oder ein Teilegutachten. Fehlen entsprechende Dokumente, ist die prüfende Instanz dazu gezwungen, alle für die Zulassungsbescheinigung benötigten Informationen zu sammeln. Erst danach wird die Behörde den Eigenbau zulassen. Für Teil I der Bescheinigung untersucht die Prüfgesellschaft zum Beispiel

  • die Fahrzeugmaße,
  • das Fahrzeuggewicht,
  • die Motorleistung und
  • die Höchstgeschwindigkeit.

§ 21 StVZO (1): „Gehört ein Fahrzeug nicht zu einem genehmigten Typ, so hat der Verfügungsberechtigte die Betriebserlaubnis […] zu beantragen. Mit dem Antrag auf Erteilung der Betriebserlaubnis ist der nach Landesrecht zuständigen Behörde das Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen für den Kraftfahrzeugverkehr vorzulegen ...“

Eigenbau zulassen leichter gemacht durch europaweite Normen

Seit 1998 ist das Zulassungsverfahren europaweit vereinheitlicht worden (ECE-Homologation). Dabei sind alle teilnehmenden Staaten dazu berechtigt, ein Fahrzeug oder Fahrzeugteile zuzulassen. Dies machen sich auch die Anbieter von Bausätzen zunutze. Für verschiedene Kit Cars gibt es bereits nationale Musterzulassungen. In diesem Fall überprüft der TÜV oder die DEKRA lediglich, ob der Wagen der jeweiligen Zulassung entspricht. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, wie ausführlich die technische Dokumentation des Kit-Anbieters ausfällt.

Existiert für das Fahrzeug oder eines seiner Teile keine EG-Übereinstimmungserklärung beziehungsweise eine Musterzulassung, wird die Anmeldung des Autos enorm kostspielig. Allerdings ist es strengstens zu vermeiden, mit nicht geprüften Teilen im Straßenverkehr zu fahren. Wirst Du dabei erwischt, verlierst Du die Zulassung für Dein Fahrzeug. Zusätzlich bist Du in verschiedenen Fällen dazu gezwungen, ein Bußgeld zu entrichten. Also: Erst Eigenbau zulassen und dann mit dem Wagen fahren. Die Strafen für verschiedene Delikte sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt:

Strafen

  • Bauartgenehmigung oder ABE nicht mitgeführt: 10 Euro
  • Fahren ohne Betriebserlaubnis: 50 Euro
  • ... mit Beeinträchtigung der Umwelt: 90 Euro
  • ... mit Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit: 90 Euro und 1 Punkt

3. Einen Eigenbau anfertigen und zulassen: Das sind die Kosten

Mit den erforderlichen Belegen und Gutachten bestehen sehr gute Chancen, dass die zuständige Behörde Dein Eigenbau-Auto zulassen wird. Welche Kosten für die Zulassung entstehen, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Um den Zulassungsaufwand zu senken, empfehlen wir Dir, einen ursprünglichen Rahmen zu verwenden. Zudem ist es lohnenswert, sich zu erkundigen, ob eine EG-Übereinstimmungserklärung für die verwendeten Teile beziehungsweise das verwendete Kit existiert. Abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten kostet allein die Zulassung bereits vier- oder sogar fünfstellige Beträge.

Kosten fürs Eigenbau zulassen

Der Preis eines Bausatzes bewegt sich für gewöhnlich im fünfstelligen Rahmen und hängt vom angestrebten Nachbau ab. Wer beispielsweise einen Lotus Seven als Eigenbau anstrebt, greift tief ins Portemonnaie. Hier ist mit einem Preis von etwa 40.000 Euro zu rechnen. Allerdings übertreffen die Kosten für den Zusammenbau den Anschaffungspreis häufig um ein Vielfaches.

Der Selbstbau eines Autos stellt ein sehr kostenintensives Unterfangen dar. Aus ökonomischer Sicht empfiehlt sich eher der Kauf eines bereits zusammengesetzten Fahrzeuges. Ein Eigenbau ist vor allem für diejenigen interessant, die Spaß am Schrauben und an technischen Herausforderungen haben.

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